Sültemeyers Schweine entdeckten die Heilquellen von Neusalzwerk bei Rehme

Von Horst Jäcker nach einer Erzählung von Karl Paetow (1903 - 1995)

Rehme, die Mutter Bad Oeynhausens

 

Dort, wo heute noch am Badehaus 1 im Kurpark jener Wappen- und Grenzstein von 1542 steht, ist in alten Zeiten die Landesgrenze zwischen dem Fürstentum Minden und der Grafschaft Ravensburg verlaufen. Und just neben diesem Markstein rieselte dazumal der Sültebach durch die Ländereien des Rehmer Bauern Sültemeyer, der unweit davon seine Hofstatt hatte. Wie aber aus dieser stillen Einsamkeit ein betriebsames Salzwerk und später ein Weltbad wurde, das wird in folgendem schnurrigen Histörchen erzählt: Es begab sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts an einem heißen Junitag. Da trotteten Sültemeyers Schweine zu dem nahen Bache, um sich in der Suhle zu kühlen. Alsdann krochen die Säue wieder an Land und räkelten sich behaglich auf der Uferwiese im Sonnenschein.

 

Bild: Der Grenzstein aus dem Jahre 1542 zwischen der Grafschaft Ravensberg und dem Bistum Minden zeigt die Wappen beider Länder

Des Herren Auge macht die Schweine fett

 

Als der Bauer nach den alten alten Grundsätzen: „Des Herren Auge macht die Schweine fett“, seine Speckhäuter betrachtete, bemerkte er, daß sie begannen, sich gegenseitig die Schwarte abzulecken. Dazu ließen sie ein behagliches Grunzen vernehmen. Auch schimmerten die prallen Schinken und Bäuche der Masttiere in einem Glanz, als hätte er eine Herde von Silbersäuen auf dem grünen Rasen.

 

Sültemeyers Schweine entdeckten den wichtigsten Bodenschatz unserer Heimat

 

Der Sache mußte er auf den Grund gehen. Er untersuchte die Glitzerschicht und erkannte lauter winzige, blitzende Kristalle. Rauh und klebrig blieben sie an seiner Fingerkuppe haften. Wie er die nun ableckte, da schmeckte es auf der Zunge wie Salz. Nun schabte er mit einem Stöckchen noch mehr Körnchen zusammen und bald hatte er ein Häuflein davon in der hohlen Hand. Da rief der Bauer seine Familie herbei und alle bestätigten ihm, daß er auf seinem eigenem Grund und Boden reines Kochsalz geerntet hatte. Schnell merkte der Grundeigentümer, daß dies eine kostbare Entdeckung war, denn bisher mußte dieses wichtige Gewürz und Konservierungsmittel aus dem „Ausland“ eingeführt werden. Durch die vielen Zollgrenzen im damaligen Deutschland hatte Salz einen sehr hohen Preis.

 

Die Regierung bekam Wind von dem Fund

 

Nicht lange danach bekam die Regierung Wind von dem Fund und machte ihr Recht auf die Bodenschätze geltend. Man erkannte, daß sich hier eine Gelegenheit bot, die westlichen Gebiete des Königreiches Preußen aus eigenen Quellen mit Kochsalz zu versorgen. Bergleute aus Unna fanden bereits bei Probebohrungen in 4 bis 5 Meter Tiefe die erhoffte, lohnende Salzquelle. Diese konnte dann schon 1752 verrohrt werden.

 

Weißes Gold aus Rehme

 

Nun errichtete man nach damaligem Brauch lange Heckenmauern, sogenannte Gradierwerke. Zu diesen wurde das salzige Quellwasser hoch gepumpt und oben durch Wasserrinnen verteilt. Das langsam durch die dornigen Zweige rinnende Naß verdunstete. Der Rest tropfte unten in eine Rinne, wo die angereicherte Salzlauge aufgefangen und in die Siedehäuser weitergeleitet wurde. Hier verdampfte man, mit Hilfe erhitzter Pfannen, das restliche Wasser. Daraus kristallisierte schneeweißes Kochsalz. Der Handel mit diesem „Weißen Gold“ brachte dem Staat einen reichen Gewinn. So entstand zwischen dem Süntelbach und dem Werreufer das

 

„Staatliche Neusalzwerk von Rehme“

 

Am 25. August 1848 gab Friedrich Wilhelm IV. dem Bad, das heißt dem Badebezirk, den Namen Bad Oeynhausen. Namensgeber war der Oberbergrat Freiherr von Oeynhausen, der 1830 die Aufgabe für die Suche nach Thermalsolequelle in Neusalzwerk übernommen hatte.

 

Sülteschmaus

 

Der BusinessClub Bad Oeynhausen hat im Jahre 2005 den "Sülteschmaus" wieder aufleben lassen. Die Veranstaltung soll an den Entdecker der Solequellen, den Colon Sültemeyer, erinnern. Dazu treffen sich Anfang März, bei einem gemütlichen Grünkohlessen, Bürger und Gäste Bad Oeynhausens.

Im Veranstaltungsraum der Wandelhalle findet der jährliche Sülteschmaus statt.

Isolde Sültemeyer und Reinhard Krüger, als Colon Sültemeyer

Horst Jäcker, Margrit Elbrächter geb. Sültemeyer,

Reinhard Krüger als Colon Sültemeyer und Isolde Sültemeyer

"Sülteschmaus 2008" im Rehmer Bürgerhaus:

Von links nach rechts: Horst Jäcker, Marlies Ehaus geb. Sültemeyer, Gerd Sültemeyer, unser Bad Oeynhausener Colon Reinhard Krüger und Margrit Elbrächter geb. Sültemeyer.

Besuch der Isolde Sültemeyer in Bad Oeynhausen

Bilder 2015

"Sültemeyers Schweine entdeckten die

Heilquellen von Neusalzwerk bei Rehme".

Sülteschmaus 2016  |  Foto Westfalenblatt.

Friedrich Obermeier ist der neue Colon. Weil Rehme die Mutter der Stadt Bad Oeynhausen ist,

hatte der Nachfolger von Rudolf Krüger den Besuch des Rehmer Heimatvereins ganz oben in

seinen Terminkalender gesetzt. Es gehörten nämlich  die Wiesen, auf denen die Schweine vom

Colon Sültemeyer die "Heilenden Quellen" entdeckten, damals noch zum heutigen über

1260 jährigen Dorf an der Weser.