Eine lustige Jagdgeschichte

Von Horst Jäcker

Heinrich Niedermeyer,Lehrer und Jagdpächterin RehmeHeinrich Niedermeyer, Lehrer und Jagdpächter in Rehme, ist vielen Älteren noch unter dem Spitznamen „Schliekenfänger„ bekannt. Über ihn gibt es einige lustige Geschichten und auch sind unter den Rehmer Jägern noch Nimrode, die von diesem alten Herrn jagdlich ausgebildet wurden und mit ihm zusammen gejagt haben.

 

Es gab immer nur sehr wenige Menschen, die Erlebtes für ihre Nachkommen festgehalten haben und bereit waren, ihr Wissen an nachfolgende Generationen weiter zu geben. Heinrich Niedermeyer war einer von denjenigen, die dies gerne taten und erzählte   zu seinen Lebzeiten   Geschichten über seine Vorgänger , die Rehmer Jäger. Dies ist eine   von „Schliekenfängers Erzählungen“: Die Ausrüstungen der Jäger waren früher recht primitiv. Doppelflinten und Drillinge gab es noch nicht. Die Bewaffnung bestand aus Vorderladern mit Zündhütchen und Pulverhorn. Die Hunde der Jäger  hatten noch keine  gute und vielseitige Ausbildung, sondern jeder Weidmann versuchte seinem vierbeinigen Begleiter vor allem ein sicheres Apportieren beizubringen. Einer dieser guten Hunde war „Hirschmann“, eine Kreuzung aus Deutsch–Kurzhaar und Hannoverschem Schweißhund. Sein Besitzer Wilhelm Uhe, der Inhaber der Holzhandlung Uhe.   Aus geschäftlichen Gründen konnte er nicht an einer kleinen Jagd der Rehmer Jäger teilnehmen. Auf „Uhen Holzplatz“, der etwas oberhalb der neuen Brücke am Weserkuß   lag, mußte Langholz ausgeschleppt werden. Bei dieser wichtigen Arbeit durfte der Chef selbstverständlich nicht fehlen. Während alle Mitarbeiter dieser traditionsreichen Holzhandlung bemüht waren, die mit einem Floß gelieferten Baumstämme möglichst schnell an Land zu bringen, fielen in der Nähe, am „Strühe“, zwei Schüsse. „Hirschmann“, der Hund des alten Herrn Uhe,  war nicht zu halten. Rufen und Pfeifen war vergeblich. Der ansonsten gehorsame vierbeinige Begleiter rannte in die Richtung, aus der die Schüsse kamen.  Nach etwa 15 Minuten saß er dann aber wieder  mit dem „Krummen“, so wird der Hase unter Jägern auch genannt,  im Fang,     neben seinem Herrn. Die Freude beim alten Uhe war groß und seine Jagdfreunde gingen mit leerem Rucksack nach Haus.

 

Aber da Kameradschaftlichkeit unter den Männern der Grünen Farbe schon damals groß geschrieben wurde, saß man abends im „Dorfkrug“, heute Rieks, gemütlich zusammen und feierte dieses Ereignis gebührend. Natürlich war auch der alte Uhe dabei.

 

Zu der heutigen Straßenbezeichnung, im Bad Oeynhausener Stadtteil Rehme, „Strühkamp“ ist folgendes zu sagen: Der Name  kommt von der Flurbezeichnung „Strüh“.  In der „Masch“, also in den Weserwiesen, standen früher viele Hecken und  Büsche. Später wurden dort große Weidenflächen für die rehmer Korbmacher    angelegt. Die Rehmer Insel war eine große Anbaufläche für diese Holzart. Das sogenannte „Strüh“,  das sich von der Mühle Kottmeier bis zum Sachsenweg erstreckte, war neben Büschen mit Buchen und Eichen bestockt. Dort wurden auch die Schweine der hiesigen Landwirte, während der Mast dieser Bäume, von den Hirten ausgetrieben. Außerdem waren diese Gebiete ein idealer Lebensraum für das Wild.

Der Hase vom Strüh

Heinz SüdmeierEs war im Jahre 1868. Längere Regenfälle hatten die „Korbieke“, den Karbach, auf eine Breite von 3 – 4 m anschwellen lassen. An einem trocknen Tag wollte der Jagdpächter Colon Volle einen Hasen schießen. Bei diesem Gang durch das Werster Revier traf er einen jungen Mann aus Eidinghausen, der ihm schon zuvor gekommen war, einen Hasen gewildert hatte und diesen in der Hand trug. Volle war nicht feige und verfolgte den Wilderer, der daraufhin mit einem gewaltigen satz zusammen mit dem Hasen und seiner Flinte über den Bach sprang. Der schon etwas betagte Volle musste am Ufer des Gewässers seine Verfolgung stoppen, während der Wilddieb, etwa 30 m von dem Jagdpächter entfernt, seine Hose fallen ließ. Seinem Verfolger zeigte er sein nacktes Hinterteil und zitierte Götz von Berlichingen. Auf Plattdeutsch hörte sich das so an: „Likke mui inne Mäse!“ Volle gereit in wut und riß die Flinte von der Schulter. Es folgten ein Knall und ein kräftiger Aufschrei von der anderen Seite des Karbaches. Während der Wilderer mit allergrößter Geschwindigkeit seine Hose hoch riß, rief Volle ihm mit seiner Bärenstimme zu: „Kuik mol! Dat häs diu eok nich dacht, dat eck seone langen Tungen häbbe“. („Sieh mal! Das hast Du auch nicht gedacht, dass ich solch eine lange Zunge habe!“

„Wilddieberei in Werste“ - Aus der Jagdpolizeiakte

"Die heutigen Jagdpächter in Werste sind Heinz Südmeier (mit dem Hasen) und Friedel Köskemeier. Zwei Vollblutlandwirte mit einem Herzen für Natur, Geselligkeit und Brauchtum."

Friedel Köskemeier

Bernd-Wilhelm BrockmannMein Jagdfreund Bernd - Wilhelm erfreut uns oft mit interessanten Feststellungen. Zwei davon möchte ich hier einmal erzählen:

Wir waren in Ostpreußen zur Jagd. Nach der Morgenpirsch, während der Rotwildbrunft, kam Bernd - Wilhelm glücklich und zufrieden, mit einem Bruch am Hut, zum Forsthaus zurück. Ich erfuhr, daß er ein Stück Schwarzwild erlegt habe und fragte, was es denn gewesen sei. Die Antwort des Glücklichen kam sofort: "Einen Zwischenläufer!" Gemeint hatte er einen Überläufer.

Kürzlich bekam ich in aller Frühe einen Anruf von Bernd - Wilhelm und er berichtete, daß er einen Bock im heimischen Revier geschossen habe. Auf meine Frage, was es denn für einer sei sagte er:"Das weiß ich auch nicht, den habe ich doch gerade erst erlegt!" Darauf ich: "Ist es denn ein Sechser?" Seine Antwort: "Nein, ein Vierer!" Gemeint hatte er einen Gabler.

Wir, seine Jagdfreunde, freuen uns schon auf weitere Beiträge von Bernd - Wilhelm, die uns zum Schmuzeln bringen. Wir wünschen ihm weiterhin Freude am Weidwerk und Weidmannsheil, obwohl er sich im heimischen Bett oder in seinen Stammkneipen Kaase und Rieks wohler fühlt, als auf dem Hochsitz.

Zwischenläufer und Vierer

Der "Wilde Schmied"

Der Waldmensch Fritz Marks (1851 – 1881) war der Namensgeber für die Gaststätte auf dem Wiehen.

Anblasen einer Jagd vor der Gaststätte

„Wilder Schmied".

Karl Pönnighaus, Herbert Bollmann, Heino Kober

und Gustav Schnitger

Am

"Wilden Schmied"

Walter Jäcker

fuhr das erste Auto auf denWiehen

Früher fanden Schüsseltreiben, anlässlich von Jagden in Dehme oder Eidinghausen,  oft im „Wilden Schmied“ statt. Wenn das nicht so war, dann wurden in oder an der Gaststätte auf dem Wiehen zumindest gemütliche Jagdpausen eingelegt.

Der Namensgeber für das dortige Lokal war der Schmiedegeselle Friedrich Marks aus Rehme. Der hatte dort einen Kotten und ein paar Morgen Land. Weil es in dem Weserdorf aber  schon genug Schmiede gab, verdiente er nicht das Salz in der Suppe. Um durch Arbeit seinen Lebensunterhalt zu sichern, stieg der junge Handwerker eines Tages hinauf auf das Wiehengebirge und arbeitete in den dortigen Steinbrüchen.

Weil der Weg zur Arbeit sehr lang war und es Marks gut   in der Waldeinsamkeit gefiel, blieb er immer häufiger, auch in der Nacht, in einer wackeligen Baumhütte auf dem Wiehen. Dort hatte er sich ein bescheidenes Lager  eingerichtet.

Der "Wilde Schmied"

In Eidinghausen,

in der Nähe vom

„Wilden Schmied“,

schoß ich meine

1. Schnepfe

Sein Handwerkszeug hatte er mitgebracht. Sogar einen kleinen Amboß schleppte er mit auf den Berg. Später hatte er für sich aus Bruchsteinen eine kleine Unterkunft gebaut und darin  eine richtige Werkstatt eingerichtet. Dahin  kamen die Bauern von beiden Seiten des Wiehen mit ihren Ackergäulen zum Beschlagen der Pferde.

Die Zeit verging und der Bart des Einsiedlers wuchs  bis über die Brust und  die langen Haare hingen über die Schultern. Weil er so wild aussah, der Waldschmied vom Wiehen, war es nicht verwunderlich, daß die Leute bald seinen Namen vergessen hatten und nur noch vom „Wilden Schmied“ sprachen.

Eines Morgens stürtzte Marks  in einen Steinbruch. Er wurde verletzt aufgefunden, lebte weiter als Einsiedler und verstarb im nächsten Winter an den Folgen des Unglücks in seiner Einsamkeit. Bauern aus der Nachbarschaft brachten den Leichnam zu Tal. Das letzte Stück seiner irdischen Reise legte der „Wilde Schmied“ mit der Fähre   von Ditzen, über die Werre,  zurück. Zur damaligen Zeit war das die einzige Verbindung zwischen Dehme und Rehme.  Nur wenige Meter vom „Alten Fährhaus“, auf dem Alten Rehmer Friedhof an der Kirche,  hat der Schmied Fritz Marks seine letzte Ruhestätte gefunden. In Dehme gab es zu dieser Zeit noch keinen   Friedhof.

Aus der Schmiede hat sich später die heutige Gastwirtschaft entwickelt. Die Versorgung erfolgte mit Pferd und Wagen. Erst Ende der 20er Jahre fuhr das erste Auto zum „Wilden Schmied“. Am Steuer des Brennabors saß damals mein Vater Walter Jäcker. Die Fahrt ging über den Plattenberg in Dehme.

 

„Jagdpächter des Amtes Rehme im Jahre 1868“

1. Oeynhausen:

2. Rehme:

3. Niederbecksen:

4. Dehme:

5. Eidinghausen:

6. Werste:

7. Volmerdingsen:

8. Wulferdingsen:

Bergrat Model

Gutsbesitzer Hentzen, Deesberg

Kaufmann Krutemeier und Griese aus Oeynhausen

Colon Eickhoff aus Eidinghausen  Nr. 78

Dr. phil Hermann aus Oeynhausen

Colon Volle aus Werste Nr. 8 und Oekonom Vogeler aus Oeynhausen

Dr. phil. Hermman aus Oeynhausen

Colon Meyer aus Wulferdingsen Nr. 6

Niederbecksen, die jetzige Südstadt, war ein eigener Jagdbezirk.

Diese Jagdeinladung bekam Herr Adolf Nagel aus Herford

vom Jagdherrn Winkelmann im Jahre 1910.

Jagdverpachtung

Rehme 1931

Heinrich Niedermeyer, Sproß einer alten  Familie an Werre und Weser, war Lehrer in Rehme, er war der Bruder des Gastwirtes Fritz Niedermeyer, Jagdpächter seiner Heimatgemeinde und der Ausbilder fast aller Jungjäger zur damaligen Zeit. Die Jagd spielte bei ihm in jeder Hinsicht eine sehr große Rolle, auch beim Schulunterricht. Hermann Hoppe, der Sohn des ehemaligen Rehmer Pastors, hat Geschichten über seinen Lehrer aufgeschrieben und, damit nicht jeder wusste, um wen es ging,  aus  „Niedermeyer“ „Obermüller“ gemacht.

Obermüller – das war ein Jäger.

Heinrich Niedermeyer,

vor der Schule

Heinrich Niedermeyer

gezeichnet von Hermann Hoppe

Hier sollen  ein paar interessante Erzählungen über das Rehmer Original, „Niedermeyers Lehrer“, berichtet werden. Leicht rein denken in diese Geschichtchen, kann man sich, wenn man  weiß, wo das Zuhause von Lehrer Obermüller gewesen ist. Nämlich in der alten Rehmer Schule.

 

„War unser Lehrer Obermüller bisweilen ein Schalk? Oft schien es so, als plätscherten durch die Rinnsale seines gebräunten Angesichtes muntere Wellen von Gelächter, die Fältchen um seine Seher zuckten vergnüglich daher. Ach, nichts ging uns über Hauptlehrer Obermüller.

„Am Schönsten ist es, gut Freund und gewissermaßen auf du und du zu sein, was um uns kreucht und fleucht, blüht und wächst“:  sagte Hauptlehrer Obermüller und forkelte uns alle mit den Pupillen, „nein, ich wüsste nicht, was noch schöner wäre, wahrhaftig nicht Wenn ich zum Beispiel an Löwenzahn denke.“

 

Jäger und Lehrer „Obermüller“

 

Da meldete sich der dicke Francke und sagte: „Da sagen wir Kuhblume zu, weil die Kühe so dahinter her sind. Was meinen Sie wohl, wie unsere Kühe die Hälse recken, wenn Kuhblumen in der Nähe sind, Herr Obermüller!“ Gewiß Ernstchen Franke hatte das Pulver nicht erfunden, aber dies war nun eine große Stunde für ihn, von „Kuhblumen“ wusste er so manches zu berichten.

„Gut“ sagte Hauptlehrer Obermüller, „wenn du auch vom Rechnen absolut nichts verstehst, bei dem, was da grünt und blüht, macht Dir keiner was vor! Gut Ernstchen…“

„Wir nennen Sie Butterblume“, schrie Erwin Rost, „meine Kaninchen bringen sich um nach Butterblumen, das müssten Sie nur mal sehen, Herr Obermüller!“ Und, damit die Schüler den Löwenzahn und alles, was da draußen so wächst, in der Praxis erelebn konnten, gimg’s am nächsten Tag zum Saubermachen in den Garten des Oberlehrers.

Das sollte nur ein kleiner Einblick in den Schulunterricht von Heinrich Niedermeyer sein. Bei allem ging es sehr stark um jagdliche Dinge. Den Römern schien er, wie Hermann im Jahre 9 nach Christi, nicht gut gesonnen zu sein. Als man im Unterricht über ein Bild, das beim Großvater eines Schülers in der Guten Stube hing, zu sprechen kam, spielte sich folgendes ab: „Mein Opa hat ein Bild von der Göttin der Jagd, Diana, mit Pfeil und Bogen und zwei Hunden, im Wohnzimmer hängen“, sagte Erwin Rost. Darauf Niedermeyer: „Natürlich gab es eine Göttin der Jagd, die Diana heißt, die alten Römer nannten sie so, diese Gauner, die vor langer Zeit hier bei uns ihr Unwesen trieben. Aber da gab es ein Volk, das stand wahrhaftig turmhoch über den Römern, wenn ich an Wissen und Bildung denke, ein prachtvolles Volk muß ich sagen. Was meint ihr denn, dieses Volk der Griechen stand so hoch über den Römern, wie euer Hauptlehrer über euch allen steht und sie nannten die Göttin der Jagd die weidfrohe Artemis.“ Und wer etwas auf sich hält als Jäger von echtem Schrot und Korn und großer Weisheit, der steigt nicht zu den robusten Römern und ihren Göttern hinab, der erfleht sein Weidmannsheil von der pfeilschnellen Artemis!“

 

Diese Zeichnungen zeigen Heinrich Niedermeyer

Schießunterricht

Der Lehrer ist krank

Naturkundeunterricht

Wer meint, daß  Ludwig Ganghofers Geschichten über Wilderei  und, daß es den Wilddieb Jennerwein, nur in Bayern gegeben hätte, der irrt. Auch bei uns wurde gewildert und es war zum Teil eine Selbstverständlichkeit, daß man sich, zumindest einen „Weihnachtshasen“, am Grünkohl im eigenen Garten, schoß. In  allein gelegenen Häusern, gehörte eine Schrotflinte zur Grundausstattung vieler Familien.  Ich weiß, daß auch mein Urgroßvater, im Meerbruch in Eidinghausen, seinen „Weihnachtshasen“ im Garten, bei Schnee und Mondschein  wilderte. Das ist ja inzwischen verjährt. Ich weiß auch nicht, wo die alte Flinte, ein Vorderlader, geblieben ist. Gesehen hatte ich sie mal.

 

Die Besetzung unseres Landes durch Napoleon 1803 und die Revolution von 1848 beendeten die landesherrliche Zeit, die auch als die Zeit der fürstlichen Jagd bezeichnet wird. Damals  hatte der Landesherr das uneingeschränkte Jagdrecht. 1848 wurde jedem das  Jagdrecht zugesprochen, was zur Folge hatte, daß die Wildbestände fast restlos vernichtet wurden. Im Jahre 1850 wurde die Jagdausübung an eine bestimmte Mindestgröße der Jagdreviere gebunden und es wurden hohe Strafen gegen Wild – und Holzdiebe festgesetzt.

 

Horst Jäcker und Rainer Frillingam Grab des Wildschützen Jennerwein.

Um das Stehlen von Holz nicht zu stark ausufern zu lassen, bestellten die Eidinghausener und Dehmer Waldbesitzer im Jahre 1851 den „Holzwärter“ Freimuth. Am 5. Juli 1852 wandten sie sich mit der Bitte, den Holzwärter Freimuth mit einer „Schießwaffe“ auszustatten, an den Amtmann von Borries zu Rehme. Freimuth gibt dazu zu Protokoll: „ Ich bedarf eine Waffe ganz dringend, da ich sehr oft in der Nacht der persönlichen Gefahr ausgesetzt bin. Nur so kann ich Holzdiebe und Wilderer vertreiben, Eine Uniform habe ich mir schon selbst angeschafft. Sie besteht aus grünem Tuch, hat blanke Knöpfe und hat ein Schild mit einem Adler auf der Brust. Darunter steht:  Holzwärter für die Gemeinde Eidinghausen.“ Kurz darauf wurde die Dienstkleidung und die Waffe vom Landrat in Minden genehmigt.

Am 11. November 1851 meldete der Fußgendarm aus Eidinghausen dem Vorsteher Wüstefeld, daß  der Zimmermann Carl. F. gesehen habe, daß der Zigarrenmacher T. und K. aus Wiedenbrück im „Großen Felde“ Feldhühner geschossen hätten. Er fügte hinzu, daß das ja gar nicht so schlimm gewesen wäre, wenn sie nicht auch noch zahme Tauben erlegt hätten.  Die Beschuldigten wurden zu je 10 Talern Strafe verurteilt und die Gewehre wurden eingezogen.

Auch Herr von Puttkammer, vom Schloß Ovelgönne, bestellte den Holzwärter Stemmer, der sich „Privat – Holz – Förster“ nannte.

Aus einer Meldung des „Königlichen Staatsanwaltes, des Geheimen Justizrates Galster, geht folgendes hervor: „Dem Bergmann P. aus

Bergkirchen muß der Jagdschein „pro futuro“ versagt werden, da der P. auf der Flucht auf den ihn verfolgenden Colon Horstkotte aus Grimminghausen geschossen habe. Der wurde nur leicht verletzt, der Schütze kam vier Monate ins Gefängnis und  das „Schießgerät“ wurde entzogen. Der Vater des P. versuchte im Jahre 1860 vergeblich, das Gewehr, das seinem Sohn abgenommen worden war, wieder zu bekommen. Das lehnte der Landrat von Borries aus Herford ab und er vermerkte, daß die Gewehre und Jagdgeräte, die seinem Sohn und den anderen  Consorten abgenommen worden waren, dem Fiskus zugesprochen wurden.“

Die Erteilung von Jagdscheinen war schon immer mit einer jährlichen Bezahlung verbunden. Weil sich mancher Grünrock  darum zu drücken schien, teilte der Landrat in Minden den Vorstehern, Gendarmen und Polizeidienern folgendes mit: „Da bei Aufgang der Jagd in diesem Jahr wesentlich weniger Jagdscheine gelöst worden sind, ist zu erwarten, daß entweder ganz ohne oder mit abgelaufenem Jagdschein gejagt wird. Die vorstehend genannten Personen werden hiermit aufgefordert, die jagenden Personen verstärkt zu kontrollieren.“ Daß die staatlichen Aufseher danach besonders aktiv wurden, zeigt die Anzeige des Polizeidieners Meyer. Der schreibt am 6. Februar 1886: „…der Heuerling W. aus Volmerdingsen hatte einen tot geschossenen Hasen in seiner Wohnstube hängen. Er behauptete, daß er den vom 9 jährigen Sohn des Neubauern  V. aus Volmerdingsen gekauft habe. Und der hätte den „Mümmelmann“ gefunden.“ Polizeidiener Meyer ordnete an, daß der Hase, bis zur genauen Klärung des Falles, hängen bleiben müsse. Über den Ausgang der Geschichte, gibt es keine Aufzeichnungen. Es ist aber nicht unmöglich, daß bei der damaligen preußischen Gründlichkeit, der Hase auch noch als Beweisstück auf dem Richtertisch gelegen hat.

Im Jahre 1872 gab es im Amt Rehme  45 Jagdscheininhaber, 1878 waren es 53. Für einen Jagdschein musste man zu dieser Zeit  3 Mark entrichten.

Holz war, wie heute wieder, ein wichtiger Rohstoff zum Bauen, Heizen und Kochen, an dem ein großer Mangel bestand. Infolge des schnellen Wachsens der Bevölkerung konnte nicht genug Holz als Brennmaterial geliefert werden. Für Kohleheizung waren die schornsteinlosen Häuser nicht eingerichtet. Die ärmeren Leute und Kötter zogen in der Nacht in Scharen los, um Holz zu stehlen. Die Wälder wurden dadurch verwüstet und die Diebe schreckten auch nicht davor zurück, Zäune, Schlagbäume, Gartentüren usw. mitgehen zu lassen. Da die Waldungen oft weit entfernt lagen, wurden die Waldungen von Pfarrern und Lehrern, die am Ort lagen, stark bedroht. Namentlich die Erlen daraus wurden die nächtliche Beute der Holzschuhmacher. Die Rehmer Holzdiebe, die sich im Wiehen ihre Vorräte beschafften, brachten ihre Beute an Holzplatz Uhe über die Werre.

 

         Holzplatz UheHier steht jetzt die „WESER – HÜTTE“

Interessant sind die Vorschläge, den Holzhandel zu steuern. Es wurde eine strenge Kontrolle des Staates vorgeschlagen, jeder Einwohner sollte von Zeit zu Zeit nachweisen, wie er seinen Holzbedarf gedeckt hatte. Steinkohle und Torf sollten mehr, als früher, zum Brennen verbraucht werden. Der in Ravensberg so beliebte Pickert sollte fortan verpönt sein. „Kartoffelpickert sind Konterbande und sollen als Holzverschwender gänzlich verboten werden.“ In einem Zeitungsbericht aus der damaligen Zeit wird über diese leckere westfälisch Spezialität folgendes berichtet: „Der Luxus verlangt Leckerbissen, man reibt die Kartoffeln, mengt den Brei mit Weizenmehl, verarbeitet die Masse mit Butter oder Schmalz und Eiern, streicht den Teig auf die oberste Platte des Stubenofens, um ihn zu backen. Dazu muß der Ofen so heiß sein, daß man auch im kalten Winter Tür und Fenster öffnen. Dieses hässliche Gefräß ist allgemein beliebt und kostet ungeheuer viel Holz.

Wild – und Holzdiebe an Weser und Wiehen.

Schon früher war  der Wildschaden  ein unerfreuliches Thema. Im Scherz wurde  oft erzählt, daß in Gegenden mit Hochwild, auf manchem Hof der Sohn, der sich schlecht geführt hatte, den Hof erbte und der gut gelittene Nachkomme den Wildschaden. Über eine  Wildschadensmeldung in Volmerdingsen wurde am 18.11.1895 berichtet. Dort gab der Arbeiter F.H folgendes zu Protokoll: „Ich sah die Fußspuren dieser Tiere (Sauen), die aus dem Berg gekommen waren und auch wieder den Rückweg dorthin genommen hatten. Ich beantrage, den Jagdpächter anzuhalten, mir den Schaden zu ersetzen.“ Unterschrift: Wegen Blindheit nicht unterschrieben.

 

Dieser Schaden wurde vom Jagdpächter gütlich geregelt. Er erklärte sich bereit, Saatgut zur Neueinsaat zu liefern und den tatsächlichen Schaden zwei Tage vor der Ernte abzuschätzen. Diese interne Vereinbarung wurde schriftlich niedergelegt und von  F. H. gut leserlich mit vollem Namen  unterschrieben. Am 13.2.1896 machte F. H. erneut Wildschaden durch Sauen geltend. Darunter stand wieder: Wegen Blindheit nicht unterschrieben. Diese großzügige Wildschadensegelung sprach sich herum. Fast alle Besitzer von Grundstücken am Wiehen meldeten Wildschaden an und verlangten Entschädigung. Mehrere Bürger aus Volmerdingsen und Eidinghausen erklärten am 14.6.1896, daß Sauen zu Schaden gegangen seien. Hinweise auf den Aufenthaltsort der Schwarzkittel wurden   so beschrieben: „Dieselben müssen in den Tannendickichten oberhalb von Volmerdingsen oder bei „Luttern“ ihre Schlupfwinkel haben.“ Außerdem wurde von den Anwohnern eine großangelegte Jagd auf die Schwarzkittel gefordert. Wie es weiter gegangen ist, ist nicht bekannt. Hinzufügen muß man aber, daß Sauen zur damaligen Zeit eine ausgesprochen Seltenheit in unseren Revieren gewesen sind. Mir selbst ist nicht bekannt, daß in alten Streckenmeldungen erlegtes Schwarzwild aufgeführt worden ist. Zum ersten Mal habe ich etwas über Schwarzwild gehört, als Hermann Rolfsmeier, um 1960, in seiner Eigenjagd „Gut Deesberg“, auf dem Aak ein Stück Schwarzwild beschossen hatte. Das kam aber nicht zur Strecke.

 

                                                  Wenn das unsere Altvorderen erlebt hätten.

 

In „Volmsen“ konnten auch Blinde Wildschaden schätzen.

Mein Freund Fritz Borsdorf ist kein Jäger.  Er war  dem Weidwerk und den Männern der „Grünen Zunft“ aber immer auf’s Engste verbunden. So gehörte er zu den ständigen Besuchern des sonntäglichen Jägerstammtisches im „Badehaus 8“.  Weil Fritz sehr lange an „Schnatsmeiers Busch“ sein Zuhause hatte, nannten wir ihn auch auf Plattdeutsch:  „Frittken van Schnatsmeiers Busch“.

 

                                  Fritz Borsdorf wird 2014 93 Jahre alt.

Ein Jugendfreund von Fritz  war Hans – Alfred Oppermann. Der studierte Forstwirtschaft, war als Förster tätig und wurde danach Leiter der Waldarbeitsschule, N. R. W. in Neheim – Hüsten. Im Ruhestand lebte Forstdirektor i. R. Hans – Alfred Oppermann wieder in seiner Heimatstadt, auf   einem kleinen Bauernhof in Oberbecksen, der von ihm liebevoll „Höfchen“ genannt wurde.

Nach der Rückkehr in seine Heimat war auch ich mit Hans – Alfred, einem begnadeten Forstmann, befreundet. Ich habe ihn oft auf seinem „Höfchen“ besucht  und mich mit ihm  über Waldbau unterhalten. Dabei bin ich  mit ihm durch seine Anpflanzungen, rund um seinen Hof, gegangen. Dort konnte man alle Bauarten erleben, die es in   deutschen Wäldern gibt. Die forstliche Handschrift von  Hans – Alfred wird im Oberbecksener „Fuchsgrund“ noch in 100 Jahren zu lesen sein.

 

            Das HöfchenAlfred, Christiana & Thomas Oppermann

Vorliebe der heutigen Forstwirtschaft für Laubholz, hat  mir Hans – Alfred  Oppermann  folgendes empfohlen: „Vergeßt nicht Inseln mit Nadelholz zu pflanzen, denn das sind die „Warmen Stuben des Wildes“. Daran denke ich oft. Ich setze Alfreds Empfehlungen bei Neuanpflanzungen auf dem „Triebscheiderhof“  noch heute  in die Tat um. Zum Wohle unseres Wildes!

 

 

Und hier die Aufzeichnungen von Fritz Borstdorf:

 

Spatzenjagd mit Opitz.

 

Jetzt erzähle ich von einem Freund, einem ganz hellen, aber einen Kopf kleineren, Kameraden. Es ist Hans – Alfred Oppermann, den wir „Opitz“ nannten. Sein Vater war Amtsgerichtsrat, der in die Walderseestraße zog, in das Haus von Rektor Schürmann, neben dem evangelischen Gemeindehaus. Mit „Opitz“, dem stolzen Besitzer eines Luftgewehres, verbinden mich viele gemeinsame Erlebnisse. So ein Schießeisen, wie es mein Freund hatte,  war schon immer mein Traum, den mir der Weihnachtsmann im Jahre 1931 erfüllte. Meine Freude war besonders groß, weil ich nun zusammen mit „Opitz“ auf Spatzenjagd gehen konnte. Nach jagdlichen Erfolgen wurden die Spatzen gerupft, ausgenommen und auf offenem Feuer gebraten. Die Pfanne dazu rückte meine Mutter heraus und dann ging’s los. Spatzenbraten mit Soße, hei, das war eine Sache, immer noch mehr Wasser und Mehl darauf, so, daß wir zum Schluß mehr Bratensoße hatten, als unsere Mutter von einer ganzen Ente. Alle probierten und fanden das Essen herrlich. Wir drei, Opitz, Kurt und ich, brauchten gar nichts mehr zu Mittag zu essen, so gesättigt waren wir. So ging dieser Sommer mit Scheibenschießen, Spatzen und Drosseljagden zu Ende. Dann kam im Herbst der große Knall: Es waren kaum noch Spatzen da, alle tot geschossen oder ausgewandert. Darum planten wir etwas Originelles, wie wir in unserem kindlichen Gemüt meinten. Vom Garagendach konnte man durch ein Lamellenfenster in Schlachter Niemeiers Räucherkammer sehen. Dort hingen reihenweise die Würste im Rauch. Hei, was für eine wunderschöne Zielscheibe waren für uns Niemeiers Würste! Wir schossen nicht in die Wurst, sondern sportlich, wie wir waren, versuchten wir die Bindfäden zu treffen, an denen die Würste aufgehängt waren. Und tatsächlich trafen wir auch hin und wieder. Das wäre nicht aufgefallen, wenn Niemeiers Hund  Nero nicht die Tür aufgestoßen und sich die herunter gefallenen Leckerbissen zu Gemüte geführt hätte. Dies wiederum bemerkte Schlachtermeister Niemeier und plötzlich ging ein ohrenbetäubendes Geschrei los. Es war der alte Niemeier, der ehe man sich’s versah, in der Räucherkammer stand und uns Kunstschützen entdeckte. Wenn dieser Mann brüllte, zitterten in der evangelischen Kirche die Glocken, so eine gewaltige Stimme hatte er. Die Schießerei wurde teuer, denn unsere Väter hatten den entstandenen Schaden in Höhe von RM 80 zu bezahlen. Deshalb konfiszierten sie für den Rest des Jahres unsere Gewehre, gaben uns acht Tage Stubenarrest und eine Tracht Prügel.

 

Nach abgesessenen Arrest bauten wir Buden und schliefen dann und wann auch in diesen Hütten. Manchmal wurde, statt der Bude, auch ein Zelt gebaut. Dazu nahmen wir das Inlett eines Bettes, woher wir es hatten, weiß ich auch nicht mehr. Das Inlett war durch das sehr dichte Gewebe fast wasserdicht. Wir fühlten uns dann als Indianer, als Old Shatterhand und Winnetou mit Old Wabble und eine Squaw hatten wir auch. Das war Annemie, die bei diesen „Männerspielen“ ausnahmsweise dabei sein durfte. Den Kopf zierte ein Indianerkopfschmuck aus Taubenfedern. Wenn Opitz’ Vater zur Jagd gewesen war, gab es auch mal Fasanenfedern.

So verbrachten wir in einer noch friedlichen Zeit eine lustige Jugend. Die war aber durch Krieg und Entbehrungen schon bald vorbei.

Jagd auf Spatzen und Würste.

Jugenderinnerungen meines Freundes Fritz Borsdorf.

Opitz, unser gemeinsamer Freund, der Forstdirektor Hans – Alfred Oppermann.

Von Horst Jäcker

Aus der Neuen Westfälischen

 

Der wilde Schmied