Fliegerei in Bad Oeynhausen

Walter Jäcker war als Copilot und Techniker dabei

Am 2. Juli 1924 wurde in Bad Oeynhausen die Fluggesellschaft „Westflug“ von der Stadt- und Kurverwaltung, den Firmen Fuhrken, dem Flugzeughersteller Junkers aus Dessau und einheimischen Vereinen gegründet. Angeregt wurde dieser, für die damalige Zeit zukunftsweisende Schritt, von Siegfried Fuhrken, Karl Wigand, Heinrich Droste und Heinrich Schnitger.

 

Heinrich Schnitger war im 1. Weltkrieg Flugzeugführer in der Aufklärungsabteilung 217 gewesen und hatte mit 18 Jahren das Frontfliegerabzeichen verliehen bekommen. Im 2. Weltkrieg war er, als Oberleutnant, Adjutant des legendären Bad Oeynhausener Oberstes Altemeier Der war im 1. Weltkrieg Kampfflieger, zusammen mit Ernst Udet und Hermann Göring.

 

Der Flugplatz, in einer Größe von ca. 15 ha, mit einer Halle für 4 Flugzeuge, lag in Werste, in der Nähe des jetzigen Sielrestaurants. Von dort wurden Rund -, Werbe- und Linienflüge durchgeführt. So kostete ein Flug nach Berlin damals 60 RM und dauerte zwei Stunden. Im Jahre 1925 wurden 4143 Passagiere befördert. Ein Jahr später wurde dort auch eine Fliegerschule unter der Leitung des Chefpiloten Jankowiak eröffnet.

 

1925 wurde der Flugplatz als Bedarfslandeplatz für Verkehrs-flugzeuge anerkannt und erhielt einen Luftaufsichtsbeamten. Das war Herr Thomas.

 

Der Fotograf Langer, der auf einem der nebenstehende Bilder mit seinem Sohn Rudi zu sehen ist und ein alter Weltkriegsflieger war, machte zahlreiche Industrieaufnahmen aus der Luft und wurde auch bei der Luftvermessung des gesamten Weserlaufs eingesetzt.

Walter Jäcker, damals im Autohaus Fuhrken als Meister beschäftigt, beaufsichtigte die Wartung und die Reparaturen der Westflug - Flugzeuge. Außerdem war er häufig als Copilot und Techniker dabei, wenn die Fluggesellschaft über den Wäldern des Schwarzwaldes, Harzes und Sachsen – Anhalts Schädlingsbekämpfung aus der Luft mit Sprühgeräten durchführte.

 

Durch einen Hallenbrand in der Nacht zum 16. Mai 1927, der durch Fahrlässigkeit entstanden war, wurde der größte Teil der Flughalle vernichtet. Es wurde später noch einmal ein Doppeldecker, getauft auf den Namen „Thermal – Bad Oeynhausen“, angeschafft. Im August 1927 wurde dieses Flugzeug in Schlesien bei einer Notlandung zertrümmert. Der Pilot Jankowiak blieb unverletzt. Das war dann vorerst das Ende der Bad Oeynhausener Fliegerei.

 

Ein erneuter Versuch, nochmals angeregt durch Heirich Schnitger, den alten Flugplatz wieder in Betrieb zu nehmen, scheiterte an der Kurverwaltung und den Bad Oeynhausener Badeärzten, die der Meinung waren, dass dadurch die Ruhe der Kranken und Kurgäste gestört würde.

 

Im Jahre 1951 wurde der Aero – Club Bad Oeynhausen, als Traditionsträger des „Vereins für Luftfahrt von 1923“ gegründet. Die damalige Entscheidung, die Fliegerei nicht wieder nach Werste, sondern nach Vennebeck zu verlegen, war sicherlich sehr vernünftig.

 

Der Flugplatz dort hat sich inzwischen gut entwickelt, obwohl Gegner dieser Anlage dafür gesorgt haben, dass die Ausweitung der Fliegerei in unserer Umgebung erheblich gebremst worden ist. Eine breite Unterstützung der Ausweitung des Flugplatzes Vennebeck , wäre unserer Wirtschaft und dem weltbekannten Herzzentrum von großem Nutzen.

Luftbild vom Flugplatz

Vennebeck / Porta Westfalica

Flugplatz in Werste

Halle mit 2 Junkers Flugzeugen

Junkers – Flugzeug mit Rudi Langer,

sein Vater und Hans Arends

H. Schnitger

mit Schneider - Doppeldecker

Berichte von Walter Jäcker über die Fliegerei in Bad Oeynhausen.

 

„Während meiner Tätigkeit im Autohaus Fuhrken, in den zwanziger Jahren, war ich auch in der Fliegerei beschäftigt. Wir bauten Flugzeuge, machten Schauflüge und sind nach Bayern, Sachsen – Anhalt und Schlesien zur Raupenbekämpfung geflogen. In Geisenfeld / Bayern blieben wir mit unserer Maschine in einer Elektroleitung hängen und landeten mit in der Ilm. Mein Kopf und meine Nase waren ganz schön angeschlagen und unsere Maschine hatte einen Totalschaden. Nachdem die Versicherung das Flugzeug vor Ort untersucht hatte, haben wir es verladen und nach Bad Oeynhausen zurück gebracht. In Holland kauften wir eine neue Maschine und schnell ging es wieder in die Lüfte. Schlesien war unser nächstes Ziel, wo wir große Waldstrecken zu bestreuen hatten. Täglich ging es um 4 Uhr in der Frühe los und wir flogen täglich bis zum Eintritt der Dämmerung. Zurück ging es dann Richtung Magdeburg, wo wir in Erxleben mit unserem Flugzeug in den Bäumen hängen blieben und wieder einen Totalschaden hatten. Danach wurden wir, mit der reparierten Maschine von der Bruchlandung in Bayern, in Haspe bei Bückeburg eingesetzt. Auf dem Höhepunkt der Fliegerei in unserer Heimat, überholten wir noch eine Focker, die an die Firma Klinker König in Oldenburg verkauft werden sollte. Dazu kam es dann aber nicht mehr. Gustav Hilgenböker und Paul Niemann hatten unvorsichtig mit Feuer hantiert und dadurch die Flughalle in Brand gesetzt. In einer Nacht verbrannten nicht nur die Gebäude, sondern auch 3 Flugzeuge. Das war dann auch das Ende des Flugplatzes in Werste und der vielversprechenden Fliegerei in Bad Oeynhausen.“

 

 

Erinnerungen von Walter Jäcker:

 

„Mein Vater, Walter Jäcker, hat im Jahre 1972 Erinnerungen über die Fliegerei in Bad Oeynhausen aufgeschrieben. Der Brief wurde an Herrn Dr. Brinkmann geschickt. Ich gehe davon aus, daß der die Informationen für den Aero - Club in Vennebck haben wollte. In dem Verein war der beliebte Bad Oeynhausener Zahnarzt aktiver Segelflieger. Später ist er mit einem Segelfugzeug tödlich verunglückt. "Im Jahre 1925 hatten wir einen Flugplatz und nicht nur eine "Junkers F 13", sondern auch folgende Flugzeuge: 1 "DFW", 1 "LVG", 1 "Albatros", 1 "Mark" Doppeldecker und 1 "Mark" Eindecker. Unsere Luftpolizei bestand aus den Herren: Thomas, Latte, Müller und Jurascheck. Flugzeugführer waren: Jankowiak, Ahrens, Hännichen, Levitz, Aue und Fleischhauer. Die "Junkers" machte Rundflüge und wurde auf der "Gesulei" (??) Düsseldorf und, längere Zeit, auf der Nordseeinsel Norderney eingesetzt. Mit der Albatros schulten wir. Aber soweit ich mich erinnere, sind nur 3 Schüler darauf ausgebildet worden, nämlich die Herren Rahlmeier, Martin und Christede. Fluglehrer war Jankowiak. Mit den anderen Maschinen machten wir Rund - und Schauflüge. Weiterhin wurden wir, mit den Flugzeugführern Udet, Fieseler, Raab und Katzenstein bei Flugtagen und beim Schaufliegen eingesetzt. Außerdem kamen wir bei der Raupenbekämpfung in der Nähe von Breslau (Schlesien), Magdeburg - Hörsigen, Geissenfeld / Oberbayern und Haste bei Münster zum Einsatz. Bei solchen Flugeinsätzen sind wir mit zwei Maschinen abgestürzt und zwar in Magdeburg - Hörsingen und in Geissenfeld, jeweils mit der "DFW". Auch bei Denkmalseinweihungen, zum Beispiel beim Kriegerdenkmal in Gohfeld und bei der Einweihung des Hindenburgdenkmals am Nordbahnhof Bad Oeynhausen, haben wir jeweils einen Kranz abgeworfen. Auf einem Flug nach Kleve haben wir uns im Nebel verflogen und sind über die holländische Grenze gekommen. Danach durften wir ein ganzes Osterfest in Zuypten in einem Gefängnis verbringen. Meine Kameraden Jankowiak, Fieseler und ich teilten uns eine Zelle. Es waren aber recht fidele Tage, denn wir durften Skat spielen, wurden gut behandelt und kamen nach Ostern wieder auf freien Fuß. Weiterhin haben wir an Befreiungsflugtagen im Rheinland teilgenommen. Unter dem Flugzeugführer Ahrens und dem Monteur Thöne haben wir Flugzeuge gebaut, darunter auch, in Lizenz 3 Stück "Fokker D7". Eine davon wurde an die Technische Hochschule in Hannover und eine an den Klinkerkönig Lau in Oldenburg verkauft. Dann kam das traurige Ende der Bad Oeynhausener Fliegerei. Es war gerade eine "Fokker" fertig geworden und jeweils eine "Mark" und eine "DFW" waren im Bau und standen in der Halle, als ein Fugzeug angezündet wurde. Dadurch fielen Flugzeuge und Halle in Schutt und Asche. Als wir am Morgen, nach dem Brand, vor den Trümmern standen, ist manch stille Träne aus unseren Augen gerollt, denn das war das "Aus" der schönen Zeit der Fliegerei in Bad Oeynhausen!" Ob der, der damals, sicherlich beim Diebstahl von Benzin, gezündelt hatte, wohl gewusst hat, was er da angerichtet hatte? Es war aber nie ein Geheimnis, wer sich damals, zu nächtlicher Stunde, an den Tanks der Flugzeuge zu schaffen gemacht hatte!“

 

Walter Jäcker

Folgender Bericht wurde in der Jubiläumsausgabe

„50 Jahre Bad Oeynhausener Anzeiger“ veröffentlicht:

 

Ab 1922 gewann die Verkehrsluftfahrt in Deutschland an Bedeutung. Es war  der Ehrgeiz einer jeden größren Stadtgemeinde, sich einen Flugplatz anzulegen, um in das deutsche Luftverkehrsnetz einbezogen zu werden.

In Bad Oeynhausen ging die Anregung dazu von privater Seite aus. Als im Frühjahr 1924 die ersten Flugversuche, welche die Firma S. Fuhrken in der Flutmulde der Werre mit fremden Flugapparaten unternehmen ließ, an der Ungunst des Geländes gescheitert waren, ergab sich für eine Weiterentwicklung, dieser zunächst bescheidenen Anfänge, die Notwendigkeit, einen hinreichend großen Flugplatz mit massiver Halle anzulegen.

Es wurde nunmehr ein am linken Werreufer, unweit des Sieles gelegenes Gebiet, von etwa 15 Hektar Größe, das für landwirtschaftliche Zwecke zum Teil wenig geeignet war, auf 6 Jahre gepachtet, eingeebnet und als Flugplatz konzessioniert. Zur flugpolizeilichen Überwachung des Platzes, wie des ganzen Regierungsbezirkes Minden, mit Ausnahme von Paderborn, wurde eine staatliche Polizeiwache, mit Sitz in Bad Oeynhausen, eingerichtet.

 

Bereits an den Pfingsttagen 1924 wurden auf dem neuen Platz, unter großer Beteiligung der Bevölkerung, die ersten Flugtage veranstaltet, denen weitere folgten.

 

Die Kosten für die Platzanlage konnten nicht von einer einzelnen Firma aufgebracht werden. In der Erkenntnis, dass ein eigener Flugbetrieb für den Badeort ein ausgezeichnetes Werbemitte war und für die Heranziehung zahlungskräftiger Besucher sorgen würde, begeisterten sich indessen bald weitere Kreise der Stadt für ein derartiges Projekt und waren zur Hergabe der erforderlichen Geldmittel bereit. Durch Vertrag vom 2. Juli 1924 zwischen der Stadt, der Badeverwaltung (Preußag), den Firmen Fuhrken / Bad Oeynhausen und Junkers / Dessau, sowie drei einheimischen Vereinen, wurde ein gemischtwirtschaftliches Unternehmen, die „Westflug G.m.b.H, mit einem Stammkapital von 82.000 RM errichtet. Dieses Unternehmen sollte die Übernahme, Ausgestaltung und Verwaltung des Flughafens und die Ausführung von Flügen zum Zwecke haben. Obwohl die Eintragung der Firma in das Handelsregister zu Bad Oeynhausen erst am 13. März 1925 erfolgte, konnte auf Grund des Vertrages doch schon im Spätherbst 1924 eine Flugzeughalle mit Büro – und Nebenräumen von der Bad Oeynhausener Firma Timmerberg & Brünger, zum Preise von über 21.0000 RM, erbaut werden.

 

In den folgenden Jahren 1925 und 1926 entfaltete die junge Gesellschaft eine rege fliegerische Tätigkeit, die sich auch auf zahlreiche auswärtige Flugplätze erstreckte. Sie schuf sich dadurch in Fachkreisen einen geachteten Namen. Ihre Leistungen drücken sich in folgenden Zahlen aus:

 

 

Zahl der Flüge

Zurückgelegte Flugkilometer:

Beförderte Personen:

Beförderte Fracht in Kilogramm:

1925

 

1279

37000

4134

8260

1926

 

2018

71508

7286

8678

(Leistungsvermehrung 1926 gegen 1925 rund 70 %)

 

Für die hervorragende Durchführung von Rundflügen mit Wasserflugzeugen auf dem Rhein, während der „Gesolei – Ausstellung“, in Düsseldorf im Jahre 1926, wurde die Westflug von der Ausstellungsleitung mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet. („Gesolei“ scheint ein, in den 20er Jahren allseits bekannter, Ausdruck zu sein. Es war der Name für die „Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“.  Die fand 1926 in Düsseldorf, auf einem 120.000 qm großen Gelände, direkt am Rhein statt.

Der Flugplatz der „Westflug“ in Werste.

Dann folgte dieser erfreulichen Entwicklung ein jäher Rückschlag, als am 16. Mai 1927 der größte Teil der Flughalle mit vier Flugzeugen und einem Automobil durch Feuer vernichtet wurde. Obwohl der Schaden durch  Versicherung gedeckt war, konnte ein Wiederaufbau der Halle vorerst nicht aufgenommen werden, da die Zeit für den Ablauf der Platzpacht näher gerückt war. Andererseits hatte die Westflug, die im Gegensatz zu anderen Flugunternehmen, vom Reiche nicht subventioniert worden war, in den Vorjahren mit Verlust gearbeitet und ihr gesamtes Kapital eingebüßt. Mit der Errichtung einer völlig unzureichenden Nothalle musste man sich bis heute begnügen.

 

Die Wiederbelebung des Flugplatzes, der zu der Zeit fast nur von Flugzeugen  für Notlandungen aufgesucht wird, ist so zu denken, dass die Westflug, deren alleinige Anteilseigner jetzt nur noch die Stadt und die Badeverwaltung sind, nach Abschluß langfristiger Pachtverträge lediglich die Wiederherstellung der Flugzeughalle und die Verwaltung des Platzes besorgt. Die hierfür notwendigen Zuschüsse können von den Gesellschaftern nur getragen werden, wenn die Pachtzinsen für den Platz eine wesentliche Ermäßigung erfahre. Es ist begründete Aussicht vorhanden, dass sich dann ein Unternehmen für Gelegenheitsflüge auf dem hiesigen Flugplatz ansiedeln wird. Zu wünschen bleibt das Anfliegen Bad Oeynhausens, auf einer planmäßig betriebenen Luftverkehrsstrecke mit zu wirken. Das möge nicht an der Höhe des Zuschußbedarfes scheitern!

 

Junkers Flugzeuge,

scheinbar nach dem Brand der Halle.

Als die Werre – Wesermündung

noch ein Badeparadies war.

Es ist  später  der Wunsch von ein paar Idealisten geblieben, in Bad Oeynhausen einen ordentlichen Flugplatz zu betreiben, der ans das Verkehrsflugnetz angeschlossen war. Das wäre heute wohl auch nicht vorstellbar!

Walter Jäcker

Der Luftfahrtbetrieb

Siegfried Fuhrken

in Bad Oeynhausen

Von Günter Frost (ADL)